GLEICHBERECHTIGUNG – 2020 IMMER NOCH KEINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT

Noch immer beträgt der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in der Schweiz fast 20 Prozent, wobei sich ein grosser Teil dieses Unterschieds nicht auf objektive Kriterien zurückführen lässt. Der Anteil der Frauen in der Geschäftsführung von Unternehmungen beträgt nach wie vor nur knapp 20 Prozent.

Als Care Arbeit wird die Sorge-, Pflege-, Betreuungsarbeit für Kinder und pflegebedürftige Angehörige bezeichnet. Alle Menschen sind in gewissen Lebensphasen auf die Fürsorge anderer angewiesen und nehmen Care Arbeit in Anspruch. Zu zwei Dritteln wird die oft unbezahlte Arbeit von Frauen geleistet.

Die langsam voranschreitende faktische Gleichstellung zwischen Frau und Mann in der Schweiz hat neben einem veralteten Familienbild nicht zuletzt mit dem Umstand zu tun, dass Care Arbeit nach wie vor sehr ungleich verteilt ist. Da der Bedarf an Care Arbeit in den nächsten Jahren insbesondere durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft weiter steigen wird, wird für die Gleichstellung entscheidend sein, dass diese Arbeit auf alle Köpfe verteilt wird. Gleichzeitig steht die Schweiz durch die demografische Entwicklung, die aktuelle Migrationspolitik sowie durch die veränderten Anforderungen an Arbeitnehmende in einer digitalisierten Arbeitswelt vor dem Problem eines zunehmenden Fachkräftemangels. «Die Schweizer Wirtschaft kann es sich nicht mehr leisten, weitgehend auf die Erwerbsarbeit von Care Arbeit leistenden Personen zu verzichten.» Es müssen also Lösungen zur besseren Vereinbarkeit zwischen Erwerbs- und Care Arbeit gefunden werden.

Familien brauchen Ganztagesschulen
Auch auf städtischer Ebene lässt sich hier etwas bewegen: Familien brauchen Schulen, die die Erwerbsarbeit beider Elternteile als Fakt akzeptieren und ihnen nicht immer wieder organisatorische Hürden in den Weg stellen. Es braucht dazu auch mehr und flexiblere Angebote in Kitas und Tagesschulen. Diese Angebote müssen qualitativ hochstehend und bezahlbar sein. Es braucht Ganztagesschulen in allen Quartieren und es braucht sichere Schulwege, damit Kinder jeden Alters selbständig zur Schule gehen können.

Und es braucht immer wieder Frauen, die als Vorbilder dienen. Leider sind Frauen in Führungspositionen noch lange keine Selbstverständlichkeit. Deshalb bleibt eine starke Vertretung von Frauen in der Politik wichtig.

Vorstösse im Stadtrat

Postulat Anerkennung der gesellschaftlich unverzichtbaren Care-Arbeit durch die Stadt Bern als Arbeitgeberin

Teilrevision Geschäftsreglement des Stadtrates Respekt vor Andersdenkenden ist in der Demokratie ein zentraler Wert

Interpellation zu den Auswirkungen der Coronakrise auf Kinder und Jugendliche, Betreuungspersonen sowie auf die familienexterne Kinderbetreuung in der Stadt Bern